| Der russische Casanova |
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| Written by Münchner Merkur Nr. 137 | Wochenende, 14./15. Juni 2008, Verena Bach | |
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There are no translations available. Nikas Safronov gehört zu den bekanntesten Malern Russlands. Zu seiner Ausstellungseröffnung in der „Oriol Gallery“ kam er jetzt nach München. VON VERENA BACH
Dmitri Medwedew hängt schief. Doch Nikas Safronov rückt das Porträt des Präsidenten wieder gerade. In den Ausstellungsräumen der Münchner „Oriol Gallery“ an der Elisabethstraße legt der russische Maler persönlich Hand an. Der Künstler saust von einem Bild zum nächsten, tackert eine Leinwand, die bei der letzten Ausstellung an der hohen Feuchtigkeit litt, wieder auf eine Holz-Unterlage, und: Er bessert nicht nur mit Acrylfarbe und Pinsel seine bereits an der Wand hängenden Werke aus. Da er kein Tuch findet, nimmt er einfach sein Leinenhemd, um eine frisch bearbeitete Stelle zu verwischen. Bei der Ausstellung soll alles perfekt sein. Der Russe, der als eines seiner großen künstlerischen Vorbilder Albrecht Dürer nennt, malt Burgen, Kirchen-Innenräume, alte Gebäude und Ruinen, taucht dabei in eine Fantasiewelt ein und lässt sich von Sagen und Legenden inspirieren: Hübsche Frauen geistern durch Schlösser, in einem See hat er den Heiligen Gral versenkt. Auch religiöse Motive spielen bei dem gläubigen Künstler, der aus einer Priesterfamilie stammt, immer wieder eine Rolle. Vor allem aber ist der 52-Jährige für seine Porträts von Prominenten bekannt. Seine Kundschaft ist ein illustrer Kreis, dazu gehören Francis Ford Coppola, Robert de Niro, Alain Delon, Mick Jagger und Prinzessin Caroline von Monaco. Zwar sitzen die bekannten Persönlichkeiten für Nikas nicht Modell, doch persönlich trifft sie der Künstler schon. Ein paar angefertigte Skizzen und ein gutes Gedächtnis reichen ihm dann aus. „Ich kann mir gut ein Gesicht genau einprägen“, so sagt er. Später inszeniert er in seinen Bildern Wladimir Putin als Peter den Großen, aus Popstar Madonna macht er eine holde Jungfrau, Clint Eastwood ist bei Nikas ein Pirat. Posiert haben die Stars in den historischen Kostümen nie, der Maler hat sie nur auf der Leinwand eingekleidet. Kitsch in Öl. Nikas’ Kunden lassen sich die Porträts einiges kosten. Als Renaissance-Fürst oder Hofdame an der eigenen Wand zu hängen, verleiht einem Schauspieler oder Politiker gewiss den Eindruck historischer Unsterblichkeit. Zumal die Bilder auch stets eine „verbesserte Kopie“ des Originals seien, sagt Nikas. Die eine oder andere Kundin sei mit ihrem Porträt schon zu einem Schönheitschirurgen gegan Bekanntheitsgen, so gut habe er sie getroffen, vergisst der Maler nicht zu erwähnen. Bescheidenheit ist Nikas’ Sache nicht. Dass er all die Stars kennt, beweisen die Fotos, die der Maler in den Ausstellungsräumen aufstellt. Auf dem einen gibt er Sophia Loren einen Kuss auf die Wange, auf einem anderen steht Nikas zwischen Putin und George W. Bush. Diese Bilder drückt er der Dolmetscherin in die Hand, sie soll von all den Anekdoten aus seinem Leben berichten. Zum Beispiel davon, dass er für seine verstorbene Mutter eine Kirche errichten ließ und dass der Schauspieler Leonardo DiCaprio bei einem Treffen zu ihm sagte, er sehe seinem Vater verblüffend ähnlich. Um seinen Bekanntheitsgrad zu illustrieren, soll sie auch erzählen, wie ihn russische Touristen hier in München auf dem Marienplatz entdeckten, über den er gerade spazierte. Sie seien völlig aus dem Häuschen gewesen, dem Künstler auf der Straße zu begegnen. Dieses Mal waren es die anderen, die unbedingt mit einem bekannten Gesicht auf ein Bild wollten. Der Meister selbst spricht nur Russisch, das jedoch rasend schnell. Zudem springt er von einer Episode seines Lebens zur nächsten. So berichtet er weiter, dass er eigentlich Autodidakt sei und als Professor an einer Kunstakademie lehre. Hochbegabten Künstlern finanziere er Stipendien und obdachlose Kinder unterstütze er mit Bildern, die er versteigern lässt. Auch für seine eigenen drei Söhne im Alter von acht, 15 und 17 Jahren und deren drei Mamas sorgt er. Verheiratet war er nur mit der Mutter seines zweiten Sohnes. „Und seit gestern Abend sind es vielleicht noch ein paar mehr Kinder“, übersetzt die Dolmetscherin da noch lachend eine Bemerkung von Nikas’ Freund und Reisebegleiter. Mit ihm in seinem 900 Quadratmeter großen Penthouse in Moskau oder auf seinem Schloss in Schottland wohnen die Söhne indes nicht. „Ein guter Maler ist mit der Kunst verheiratet“, lässt Nikas mitteilen. Doch er verschweigt nicht, dass als „russischer Cassanova“ bezeichnet wird, seit Journalisten mitten im Atelier des attraktiven Künstlers ein großes Bett entdeckten. Die Zeit vergisst der Künstler an diesem Nachmittag völlig, als er über sein Leben plaudert und die Bedeutung seiner Bilder mit dem Katalog auf dem Schoss erklärt. Wie sollte er auch wissen, wie spät es mittlerweile ist: Nikas trägt zwar eine Armbanduhr, doch das Uhr-Gehäuse fehlt komplett. Die Ausstellung in der Oriol Gallery, Elisabethstraße 44, ist bis zum 28. Juni zu sehen.
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